Als Antwort darauf, dass Sie eine Munitionsfabrik mitten in die Stadt setzen und diese mit der Schusswaffe verteidigen und in Solidarität mit allen, die Widerstand leisten und die Kriegsindustrie angreifen.
Am frühen morgen des 6. August haben wir in Berlin Wedding das Geschäft eines der Unternehmen besucht, das in die Rüstungsproduktion involviert ist und vom Krieg massiv profitiert. Wir haben einige Scheiben eingehämmert und Farbe verteilt. Damit rufen wir dazu auf, dezentral, unberechenbar und überall dagegen vorzugehen, dass unsere Kieze militarisiert werden und alles anzugreifen, was daran beteiligt ist.
Getroffen hat es dieses mal Würth in der Schulzendorfer Straße. Würth bezeichnet sich als der weltweit führende Konzern bei Befestigungs- und Montagetechnik, doch die recht unscheinbar wirkende Firma stellt auch Elektronikteile, Leiterplatten, Schalter und Schmierstoffe her. Geführt wird sie von Reinhold Würth, dem reichsten Deutschen mit einem Privatvermögen von 40 Milliarden Dollar.
Eine Strategie der Verantwortlichen von Würth ist es, nicht offen darüber zu reden, wofür genau ihre Produkte verwendet werden. Dies ist auch meist relativ effektiv, zumal es sich hauptsächlich um Massen- und Kleinstware handelt, wodurch es deutlich schwerer ist nachzuverfolgen wo all diese Teile eingesetzt werden. Doch muss davon ausgegangen werden, dass Teile von Würth vom U-Boot bis zum Satelliten in einem großen Teil westlicher militärischer Güter verbaut sind.
Schützenpanzer für Saudi-Arabien
Belastbare Informationen darüber sind jedoch rar und kommen nur zufällig ans Licht. 2019 zum Beispiel, als die deutsche Regierung nach der Ermordung des Journalisten Khashoggi ein Exportverbot für Rüstungslieferungen nach Saudi-Arabien verhängte. Da Würth Schalter für französische Schützenpanzer baute, die zu dieser Zeit der saudischen Polizei für ihre Gewaltexzesse übergeben werden sollten, stellte das Verbot für Würth ein Problem dar. Würth legte beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Widerspruch gegen die Aussetzung einer Ausfuhrgenehmigung ein und hatte wohl mit Klage gedroht. Als dies an die Öffentlichkeit kam, beteuerte man scheinheilig, dass es nicht um „die Wiederinkraftsetzung der erteilten Ausfuhrgenehmigung, sondern ausschließlich die Schadloshaltung für einen eventuellen wirtschaftlichen Schaden“ ging. Sprich, dass, wenn schon Exportverbot, dann der Steuerzahler den Gewinnausfall ausgleichen sollte. Gemeinsam mit Rheinmetall, die natürlich auch von dem Exportverbot betroffen waren, handelte Würth in diesem Fall in Stellvertretung der deutschen Rüstungsindustrie, in dessen Lobbyverband, dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, beide Firmen gemeinsam mit anderen Größen wie Thales, Siemens und Renk organisiert sind. (https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/saudi-arabien-waffenliefer-verbot-wuerth-wehrt-sich-gegen-ruestungsexport-stopp-a-1253736.html) Würth ist damit genauso wie Rheinmetall als Profiteur und Treiber von Waffengeschäften und Krieg entlarvt. Genauer gesagt hat Würth mit der Belieferung von Saudi-Arabien erwiesenermaßen seit Jahren den Krieg in Westasien befeuert, sich auf der Seite eines Staates und damit gegen die Menschen, ihren Widerstand gegen Herrschaft und Besatzung und ihre Selbstorganisierung positioniert. Würth handelt damit in direkter Kontinuität des Kolonialismus und als Akteur des westlichen Imperialismus sowie als Helfer der heute u.a. vom saudischen Staat ausgehenden Bombardements im Iran.
Unter dem Label von Liqui Moly produziert Würth in Deutschland für den internationalen Markt ein weiteres unscheinbares aber essentiell kriegswichtiges Produkt: Schmierstoffe, d.h. Motoröle, Treibstoffzusätze und dergleichen. Dass kriegerische Zeiten gute Geschäfte bedeuten, sieht man am Anstieg der Erlöse der Marke Liqui Moly, so z.B. von 2024 auf 2025 um acht Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. In der Vergangenheit hat Liqui Moly schon die US-Airforce versorgt. Heute wissen wir, dass die Ukraine an deutschem Liqui Moly hängt. Erst am 6. August 2026 wurde in Kiev ein Lagerhaus von Würth bombardiert und brannte komplett ab. Es hatte wohl Schmierstoffe für das Militär lagerte. Es wird von „massiven Auswirkungen auf die Warenversorgung in der Ukraine“ berichtet. Zuvor war schon über die Verlegung des Lagerhauses wegen der Bedrohung durch russische Raketenangriffe diskutiert worden.
Mit der Unterfirma Würth Aerospace ist der Konzern auch im Bundesverband der Luft …