Bereits im vergangenen Jahr erschien das Buch des Journalisten Kay Sokolowsky. Es widmet sich dem antimuslimischen Rassismus, der Islam-/Moslemfeindlichkeit, Islamophobie oder wie auch immer man die in Europa grassierende Feindschaft den Muslimen oder als muslimisch markierten Menschen gegenüber bezeichnen mag. Der Autor zeichnet nach, in welchem gesellschaftlichen Klima dieser Rassismus seine heutige Wirkmächtigkeit erlangen konnte und spannt einen Bogen von der rassistischen Mobilmachung der Nachwendezeit unter der Kohl-Regierung bis zur antimuslimischen Kampagne des Spiegel, der in seinen Coverstories immer wieder die drohende »Islamisierung« Deutschlands an die Wand malte und so mit dem Vokabular von Rechtspopulisten massiv Stimmung gegen Muslime machte. In mehreren Porträts werden ProtagonistInnen der »Islamkritik« vorgestellt. Vom notorischen Henryk Broder über den früheren Linken Ralph Giordano und die »Kronzeuginnen« Necla Kelek und Seyran Ates, die, wenn auch im Ton teilweise polemisch, durchaus differenziert dargestellt werden. Abgerundet wird der Band mit einigen Interviews, unter anderem mit dem Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz zu Parallelen zwischen antimuslimischem Rassismus und Antisemitismus. »Feindbild Moslem« bietet einen guten Überblick über den antimuslimischen Diskurs und eignet sich durch seinen journalistischen Stil sehr gut zum Einstieg ins Thema. Zur weiteren Vertiefung sind der Sammelband »Islamfeindlichkeit« von Thorsten Gerald Schneiders und »Die ‚westliche Kultur‘ und ihr Anderes« von Iman Attia zu empfehlen.

Kay Sokolowsky,

Feindbild Moslem

Rotbuch Verlag, Berlin 2009

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Feindbild Moslem

Kay Sokolowskys Buch über neusten deutschen Rassismus.

Der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini in Dresden, die rassistischen Äußerungen des Bundesbankers Thilo Sarrazin, das Minarettverbot in der Schweiz: Die drei Beispiele aus dem letzten halben Jahr zeigen, wie sich Rassismus aktuell ausdrückt. Der Journalist Kay Sokolowsky zeigt in seinem Buch »Feinbild Moslem«, daß es sich um ein altes Phänomen in neuem Gewand handelt.

Er beginnt seine Untersuchung Anfang der 1990er Jahre, als bei rassistischen Pogromen etliche Menschen ihr Leben verloren. Politiker zeigten sich geschockt, verurteilten die Morde pflichtgemäß, forderten aber im gleichen Atemzug eine Verschärfung des Asylrechts. 1993 beschloß der Bundestag mit den Stimmen von Union, FDP und SPD die faktische Abschaffung des Menschenrechts auf Asyl. In dieser Atmosphäre entstand damals eine heute längst vergessene Expertise von Eckart Schiffer aus dem Bundesinnenministerium, in der unter anderem eine homogene Kultur der »Heimat« postuliert wurde. Hier sieht Sokolowsky die Konturen eines Feindbildes, das zehn Jahre später deutlicher sichtbar werden sollte.

Auf die Vorläufer folgten – wie Sokolowsky formuliert – die »Feindbildhauer«. Eine wichtige Rolle spielte in den letzten Jahren der Spiegel unter seinem Chefredakteur (bis 2008) Stefan Aust. Bis einschließlich 2007 erschienen beinahe ein Dutzend tendenziöser Titelgeschichten wie »Allahs rechtlose Töchter – Muslimische Frauen in Deutschland«, »Papst contra Mohammed« und »Mekka Deutschland – Die stille Islamisierung«. Sokolowsky meint, man könne Aust zwar nicht unterstellen, den Islamfeinden die Fackeln in die Hand gedrückt zu haben, aber »er stand auch nicht im Weg, als sie nach Feuerzeugen suchten.«

Im folgenden Kapitel befaßt sich Sokolowsky mit den »Kronzeugen« für die moslemische Gefahr, von denen die Publizisten Ralph Giordano und Henryk M. Broder die bekanntesten sein dürften. Sie stehen nicht in Verdacht, Neonazis zu sein. Sie bedienen sich aber – jenen ähnlich – rassistischer Argumentationsmuster, in denen »die Muslime« zumeist per se als frauen-, demokratie-, und judenfeindlich dargestellt werden. Gedanklich in unmittelbarer Nähe zu ihnen befinden sich die Blogger rund um die Internetseite Politicially Incorrect (P.I.). Die Seite steht im Zentrum antimoslemischer Blog-Aktivitäten. P.I.-Artikel werden nicht nur munter von anderen Seiten übernommen, es werden überdies ständig Beiträge von nicht primär-rassistischen Publikationen verlinkt. Sie werden dann von der nicht großen, dafür im Haß zielsicheren P.I.-Szene in hoher Taktung kommentiert. Das kann manchmal zu dem Eindruck führen, eine überwiegende Mehrzahl der Leser von Online-Portalen großer Tageszeitungen sei stramm rassistisch. Offiziell bezeichnet sich …